Der Verlauf der Individualität - wie Carolin Untiedt mit Alkoholtinte neue Farbwelten schafft

Der Verlauf der Individualität - wie Carolin Untiedt mit Alkoholtinte neue Farbwelten schafft

Manche Kunst entsteht aus klarem Konzept. Aus präzisen Skizzen und exakter Planung. Nicht so die Kunst von Carolin Untiedt. Sie setzt auf den Moment. Auf Bewegung, Intuition und den Mut, Kontrolle abzugeben. Mit ihren farbintensiven und metallisch glänzenden Werken trifft sie einen Nerv. Warum Alkoholtinte dabei zu einem zentralen Material wurde und welche Botschaften die Künstlerin in die Welt bringen möchte, lesen Sie hier.

Ein kreativer Weg ohne starre Regeln

Kreativität begleitet Carolin Untiedt schon immer. Allerdings mehr in der Freizeit. Beruflich dominiert ein eher starres Beamtendasein ohne viel Raum für Individualität. Dank eines Kurses rund um das Thema Alkoholtinte fing Untiedt Feuer. Es folgten Weiterbildungen, Recherchen und jede Menge Eigenexperimente. Dabei eignete sie sich vieles autodidaktisch an. Statt festen Regeln zu folgen, setzte sie auf Beobachtung, Experiment und Erfahrung. Die kontinuierliche Suche nach neuen Möglichkeiten gehört bis heute zu ihrem künstlerischen Prozess. Immer wieder testet sie neue Methoden, neue Farbkombinationen oder Materialien – stets mit dem Ziel, die Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Bilder weiterzuentwickeln.

"Electric Soul"

Der Tanz der Farben

Der Arbeitsprozess beginnt meist mit einer einfachen Entscheidung: einer Farbe oder einer Farbstimmung. Inspiration findet Untiedt häufig im Alltag – etwa in Farbkombinationen, die ihr auf der Straße begegnen oder in der Natur auftauchen. Wesentlicher Bestandteil der Werke ist Alkoholtinte. Die Technik erlaubt es den Farben, sich frei über die Oberfläche zu bewegen und besondere Verläufe und Formen entstehen zu lassen. Mit Hilfe von Blasebalg oder Fön lenkt die Künstlerin zwar den Prozess – gibt ihm aber auch bewusst Raum. Gerade das Spannungsverhältnis aus Eigenleben der Farben und künstlerischer Entscheidung macht ihre Werke so spannend. „Die Alkoholtinte zwingt einen dazu, Kontrolle abzugeben und zu schauen, wohin einen die Farben führen“, sagt Carolin Untiedt über ihre Arbeitsweise. „Man kann vieles beeinflussen, aber nie alles bestimmen – genau das macht für mich den Reiz aus.“ Das Ergebnis sind Werke, die Tiefe besitzen, die sich mit dem Licht verändern und beim Betrachter immer neue Assoziationen hervorrufen. Neben klassischen Farben kommen metallische Gemische zum Einsatz. Sie bringen weitere Tiefe mit sich und sorgen für ein Schimmern – je nach Lichteinfall. Zu Beginn arbeitete die Künstlerin noch auf dem Esstisch – inzwischen verfügt sie über ein eigenes Atelier im Haus. Meist begleitet von Musik kann sie hier ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Eine der größten Herausforderungen dabei: Den richtigen Moment des Abschlusses zu erkennen. Wann ist ein Werk wirklich fertig. Oft legt die Koblenzerin das Bild zunächst zur Seite. Nach dem Trocknen betrachtet sie es dann erneut und entscheidet, ob sie noch weitere Elemente hinzufügen möchte. Mitunter kann es manchmal Monate dauern, bis ein Kunstwerk vollendet ist.

Kunst als Raum der Ruhe

Was als kreatives Experiment begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil ihres Lebens. Die Kunst ist heute nicht mehr wegzudenken. Hier findet Carolin Untiedt Ruhe und Kraft und zugleich persönlichen Ausgleich im Alltag. In diesen Momenten tritt die Außenwelt in den Hintergrund. Der Fokus liegt ganz auf dem Zusammenspiel von Farbe, Bewegung und Intuition. Ein zentrales Thema ihrer Arbeiten ist die Individualität. Die Idee, dass nicht alles im Leben klar definiert und strukturiert sein muss. Viele Dinge überlagern sich, verlaufen ineinander und entwickeln sich auf unerwartete Weise. Diese Offenheit spiegelt sich auch in ihren Bildern wider. Formen entstehen, lösen sich wieder auf, gehen in andere Farbräume über. Die Komposition bleibt dynamisch und vieldeutig. Für die Künstlerin ist diese Bildsprache auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen. Sie beobachtet, dass in vielen Bereichen Individualität und gegenseitige Aufmerksamkeit zunehmend verloren gehen. Ihre Kunst setzt dem eine andere Perspektive entgegen: Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Vielfalt wahrzunehmen und die Schönheit des Unvorhersehbaren zu erkennen.

Klare Ziele für die Zukunft

Was mit einem Kurs begonnen hat, ist heute zentraler Bestandteil im Leben der Koblenzerin. Nach anfänglichen Experimenten traute sich die Künstlerin mit ihren Werken unter anderem in den sozialen Medien in die Öffentlichkeit. Sowohl Bekannte und Familie als auch jede Menge fremde Menschen reagierten äußert positiv auf die farbintensiven Werke mit metallischem Effekt. Aktuell arbeitet Carolin Untiedt an ihrer ersten Ausstellung.

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Weitere Informationen unter:
www.carolinuntiedt.com