Mehr als ein Gesicht: Wie Gerti Landwehr mit Porträts Resonanz erzeugt

Mehr als ein Gesicht: Wie Gerti Landwehr mit Porträts Resonanz erzeugt

In einer immer schneller werdenden Welt der Reizüberflutung wirkt die Stille fast wie Protest. Gerti Landwehrs Porträts verlangen genau das: innehalten, wahrnehmen, Resonanz spüren. Dabei drängen sich die von ihr gemalten Gesichter nicht auf – und entfalten gerade deshalb ihre ganz eigene eindringliche Präsenz. Es sind Bilder, die Beziehungen anbieten. Warum ihre Werke so besonders sind und wie Käufer auf sie reagieren, lesen Sie in diesem Artikel.

Von der Grafik zur freien Kunst

Geboren 1972 in Bad Mergentheim, führte Landwehrs Weg zunächst nicht direkt in die freie Kunst. Nach ihrem Abschluss an der Akademie für Grafikdesign in Stuttgart arbeitete sie viele Jahre als Art Directorin in Werbeagenturen  – zunächst in Stuttgart, später im Raum Salzburg. Gerti Landwehrs Ideen entfalten ihre Kraft im Bild, nicht im Gespräch. Während verbale Konzepte bei Vorgesetzten auf Zurückhaltung stießen, überzeugten ihre Visualisierungen durch Klarheit und Haltung. Kunden und Kollegen erkannten früh die Qualität ihrer Entwürfe – und mit ihnen verschob sich auch die Wahrnehmung ihrer Arbeit. Präzise und ehrgeizig entwickelte Landwehr eine eigenständige visuelle Sprache, in der Bilder sagen, was Worte nicht leisten. Aus dieser Erfahrung heraus entstand eine klare Haltung: Porträts als Resonanzraum für das Unsagbare. Inzwischen arbeitet Gerti Landwehr als freischaffende Künstlerin in Österreich - und die Nachfrage gibt ihr Recht. So finden sich ihre Werke mittlerweile in Galerien oder dürfen auf Einzelausstellungen und Kunstmessen im In- und Ausland bestaunt werden. Der Kreis an Sammlern und Interessenten erweitert sich stetig.

Living Colors - 160x120 cm

Gesichter ohne Namen

Kräftige Farben, eindringliche Blicke und starke Persönlichkeiten. Gerti Landwehrs Werke bestechen allesamt durch den gleichen Stil – und dennoch ist jedes ihrer Gemälde einzigartig. Doch was heute als klar erkennbarer roter Faden wirkt , war ein Prozess. Landwehr begann zunächst mit glatten und realistischen Abbildungen. Mit der Konsequenz, dass man sie immer wieder fragte, welche Person hier abgebildet sei.„Diese Frage wollte ich irgendwann nicht mehr hören“, sagt sie. „Es ging mir nie darum, eine bestimmte Person zu porträtieren.“ Statt Identität abzubilden, begann sie, Präsenz zu erforschen. Ihre Porträts zeigen keine konkreten Individuen, sondern Zustände: Nähe, Offenheit, Widerstand, Verletzlichkeit. Der Blick wird zum Zentrum – nicht als Pose, sondern als Einladung. Ein Schlüsselmoment war die Erfahrung mit einem eigenen Bild: Egal, wo sie im Raum stand, der Blick schien ihr zu folgen. Nicht kontrollierend, sondern vertraut. Diese stille Beziehung wollte sie weiterentwickeln – als Erfahrung für andere. „Ich male Blicke, die zurückreden.“

Künstlerin Gerti Landwehr in ihrem Atelier

Nähe durch Auflösung

Charakteristisch für Landwehrs Arbeiten ist die Spannung zwischen Distanz und Nähe. Aus der Ferne erscheinen die Gesichter klar, präsent und fokussiert. Tritt man näher heran, lösen sie sich auf: Pinselstriche, transparente Schichten, Linien, Farbflächen. Ordnung wird Fragment. Diese visuelle Bewegung ist kein formales Spiel, sondern ein inhaltlicher Kern. Landwehr versteht ihre Malerei als Spiegel menschlicher Vielschichtigkeit – Stärken, Schwächen, Brüche. Die österreichische Künstlerin sieht ihre Kunst als bewussten Gegenentwurf zur flüchtigen Bilderflut . Ihre Werke sollen den Blick schärfen für die stummen Signale . Somit wird jedes einzelne Werk zu einer Einladung, empathisch und bewusst zu sein. Damit ist Gerti Landwehrs Kunst auch ein Statement im gesellschaftlichen Sinn. Nur wer die Sprache ohne Worte wieder lernt, kann Miteinander spüren. Genau darum male sie. Um Räume zu öffnen, in denen aus Sehen Begegnung wird.

„Ich möchte, dass Kunst wieder als Resonanzraum zwischen Menschen funktioniert: Bilder, die uns erinnern, Blicke wahrzunehmen und zu verstehen – jenseits von Reizüberflutung. Wenn wir stumme Signale begreifen, verändern sich Begegnungen im Privaten wie im Öffentlichen.“

Farbe als  Ausdruck von Lebendigkeit

Auffällig ist Landwehrs intensive Farbigkeit. Ihre Bilder sind nicht laut im schrillen Sinn, aber deutlich. Farben sind Träger von Stimmung, nicht Dekoration. Das Leben sei nicht schwarz-weiß, sagt sie. Dabei entsteht die Farbwahl im Dialog mit der Umgebung. Die Künstlerin arbeitet vorzugsweise in den Morgenstunden – dann, wenn absolute Ruhe herrscht. Oft im Freien oder in ihrem lichtdurchfluteten Atelier. Natur, Jahreszeiten, Lichtverhältnisse fließen unbewusst in die Arbeiten ein – im Sommer offener, im Herbst gedämpfter, erdiger. Was zählt, ist Konzentration. Jedes Bild fordert ihre volle Aufmerksamkeit, oft über mehrere Tage hinweg. Ist ein Werk dann einmal fertig, beginnt die Neugierde an der Reaktion. Denn besonders interessiert Landwehr, wie das Publikum auf die Portraits reagiert.  Auf Messen und Ausstellungen beobachtet sie genau, was geschieht,  wenn Menschen vor ihren Porträts stehen, weitergehen wollen – und doch bleiben. Ein paar Schritte, ein Zögern, ein Zurückkehren. Der zweite Blick dauert länger. Er ist stiller, intensiver. Dann ist sie spürbar: die Verbindung zwischen Bild und Betrachter. Ein Erlebnis ist ihr besonders präsent geblieben: Ein unheilbar an Krebs erkrankte älterer Herr kaufte ein Werk, welches ihn in den Bann gezogen hatte. Landwehr brachte es ihm persönlich ins Krankenhaus. Momente wie dieser bestätigen für Landwehr die gesellschaftliche Relevanz von Kunst – jenseits von Marktlogik oder dekorativer Funktion.

Is It True - 60x60 cm

Steigendes Käuferinteresse und neue Visionen

Heute sind Landwehrs Arbeiten regelmäßig in Ausstellungen zu bestaunen. Auch über die digitalen Kanäle finden Käufer den Weg zu ihrer Kunst. Und während das Interesse auf dem Kunstmarkt stark steigt, steigt auch der Drang nach neuen kreativen Projekten. Ein monumentales Porträtformat von rund zwei auf dreieinhalb Metern ist aktuell in Vorbereitung – technisch wie künstlerisch eine neue Herausforderung. Größere Pinsel, andere Keilrahmen, ein veränderter körperlicher Einsatz. Kein Bruch, sondern eine Erweiterung. Denn auch im Großen bleibt das Ziel dasselbe: Beziehung herstellen.

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Weitere Informationen und aktuell verfügbare Werke unter:
www.gerti-landwehr.at/